Besuch auf dem Jugendschiff Salomon – ein Reise- und Abenteuerbericht

Tag 1

28.12.2016

03.45 Uhr. Ich erwache , zwar etwas zu früh, aber doch wach nach einer kurzen Nacht. Kurz? Das ist schon fast übertrieben, genau genommen waren es 2 1/2 h Schlaf, da ich das Haus so zurücklassen wollte, dass es, falls wir nicht zurückkommen sollten, doch einigermassen anständig aussehen sollte. Pünktlich und zuverlässig, so ist unsere liebe Nachbarin Sonja, stand sie um 4.30 Uhr bereit zur Abfahrt.

Ich, mit unserem grossen Koffer, der mit seinen 26 Kg später beim check-in mit einer Etikette „heavy“ versehen wird, meinen kleinen europatauglichen Koffer und meinem Rucksack, war ebenfalls bereit. Ich muss noch nachtragen, dass ich den Koffer, den Werner gepackt hatte, wieder umpacken und alles im grossen Koffer verstauen musste, da der erste kleinere Koffer die vielen Weihnachtsguetzlis, die Landjäger, Müeslimischungen, Biberli, Fondues, Crunchy-Ovi… nicht fassen konnte und darum nicht verschliessbar war. Nun war aber alles verstaut und eben Sonja und ich ready für die Abfahrt. Los ging’s! … die ersten 100 Meter. Dann sprach die hintere Türe des Autos auf. Nach einem Rundgang ums Auto mit „Türen öffnen- Türen zuschletzen“ schien alles gut. Aber das „Türe offen Zeichen“ blieb hartnäckig rot. Sonja fuhr etwas unsicher, ob nicht doch noch was rausfallen würde, weiter. Nächster Halt war die Heilsarmee in Winterthur. Werner war bereit- wir auch- weiter ging’s! Übrigens: Das „Türe offen Zeichen“ erlosch, die hinterste Türe war wohl doch nicht ganz zu gewesen.

Drop off ist super! Ticket ziehen- Leute und Gepäck raus- Verabschiedung- weiter geht’s- und Sonja verschwindet in der frühen Morgenstunde. Merci dir nochmals herzlich!

Nun sind wir da- ready for adventure- und vor allem Andy, die Jungs, das Schiff und das Team zu sehen.

Voll erstaunen stehen wir vor dem TAP Schalter. Die Reihe ist lang- das Tempo gemütlich, sehr gemütlich – und die Zeit läuft. Endlich! Wir sind an der Reihe – geben unseren Koffer ab, der nun eben mit der heavy-Etikette versehen wird und traben los. Nächster Halt Passkontrolle- alles klar- weiter zum security check. Kaum zu glauben! Da stehen 100erte von Menschen in Schlagen ..- die Zeit rennt…- meint Trippeln nützt gar nichts – was Zeit braucht, braucht Zeit- endlich! Messer, Flüssigkeit? Ich verneine und bin durch. Wo ist Werner? WERNER? Nicht schon wieder! Sein Rucksack wird durchsucht… und? Er hat sein kleines Sackmesser dabei. Der freundliche Beamte meint, dass er das Messer behalten solle und damit ev. in Lissabon durchkomme. Wir rennen los! Rennen!! Denn in 10 Minuten geht der Flieger und das Gate A85 an der hintersten Ecke. Mit uns rennen drei junge Leute. Ich frage, wohlverstanden mitten im Spurt und ausser Atem: Lissabon? Die Frau sagt sowas wie „Si“ – zusammen geht’s weiter. Keine Minute zu früh- wir sitzen im Flieger und husten und husten- die Anstrengung war wohl doch etwas viel.

Die nächsten Etappen verlaufen unspektakulär: Ein ruhiger Flug nach Lissabon, weiter nach Praia mit einer Pilotin am Steuer (sagt man das so), Visum kaufen am Flughafen in Praia, der Koffer kommt und wir sind draussen.

Da stehen Menschen, viele Menschen, aber einer sticht uns völlig in die Augen. Warum? In seiner Hand hält er einen A4-Zettel mit Werners Namen drauf – es ist der Hotelabhol-Taxidienst. Wau! Das hatten wir so noch nie! Es klappt!

Zimmerbezug, Erkundung des Hotels, Spaziergang aufs Plateau in Praja, Andy ein Ladekabel fürs Handy kaufen, Pizza essen und den Markt besichtigen. Unglaublich was da alles angeboten wird! Und dann nichts wie ins Bett. Wir schlafen 12 Stunden am Stück.

Noch was: Am Nachmittag haben wir mit Andy gewhatsapelt. Zwei Jungs sind auf Kurve – bringt viel Unruhe! Falls sie die Fähre nach Praja genommen haben sollten, würden wir sie hier abfangen. Joni (Leiter Schiff) ist dadurch sehr absorbiert und findet  keine Zeit, eine neue Location zu suchen. Wir werden sehen!

Mitten in der Nacht – es ist wohl so 1.00 Uhr- erwache ich. Andy hat geschrieben. Die Jungs sind gefunden und auf dem Schiff. Die Crew und die Jungs bleiben voraussichtlich noch auf Maio – aber der Flieger fliegt seit Tagen wegen dem Saharastaub nicht und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er am 30. fliegen wird – so auch die Fähre – alles ist sehr ungewiss.

Ich merke, wie Unsicherheit, Angst sich in mein Herz schleicht. Was, wenn wir nicht nach Maio rüber kommen und nicht am 30. dort sind oder Andy gar nicht sehen werden? Oh Gott! Wir sind doch nicht vergebens hierher gekommen, oder? Ich lese die Losung vom 30.12.2016: „Die Wasserwogen im Meer sind gross und brausen mächtig; der Herr aber ist noch grösser in der Höhe.“ Psalm 93.4

In der Höhe!= Flieger…klar, oder?

Und “ In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Ich schlafe beruhigt weiter.

 

Tag 2

29.12.2016

7.00 Uhr- wir haben sage und schreibe 12 Stunden geschlafen.

Nun wissen wir, was wir zutun haben: das Office des Fluges und das Office der Fähre aufsuchen und unseren Flug bestätigen lassen und vorsichtshalber für Tickets für die Fähre nachfragen.

Nach einem leckeren und ausgiebigen Frühstück mit gutem Kaffee, Eiern, Käse, Brötchen, Früchten, Kuchen… machen wir uns auf den Weg.

Erneuter Marsch aufs Plateau- die bunten Treppenstufen hoch, am Uringeruch vorbei – wir sind oben. Es ist heiss!

Schon jetzt um 9 Uhr herrscht emsiges Treiben. Gut gekleidete Damen mit Namensschildern eilen über die Strasse- sie scheinen in irgendwelchen Büros oder Hotels zu arbeiten. Frauen mit riesigen Bündeln oder Töpfen überqueren, diese gekonnt auf dem Kopf balancierend, die Strasse. Der Markt ist voll. Mit voll meine ich voll voll. Voll mit Dingen, wie Gemüse, Früchten, Fleisch, Fisch und voll mit Menschen. Es ist laut- sowas von Markt! Kein Vergleich zum Schaffhauser Bauernmarkt oder dem Wochenmarkt in Winterthur.

Die Menschen hier sehen ganz verschieden aus: klein und rund, grossgewachsen und schlank, mit krausen oder glatten Harren, mit brauner oder schwarzer Hautfarbe – und alle sind sie sehr freundlich! Die meisten sprechen wenig Englisch, dafür Französisch. Wir erinnern uns an unser Französisch und schlagen uns durch – auch mit françlish.

Die freundliche Frau an der Rezeption unseres Hotels Pérola hat uns mit sicherer Stimme und zielsicher Kreuze auf unsere Stadtkarte gemacht – da würden wir die beiden Büros finden.

Trotz Kreuzen und Wegbeschreibung sind wir dann mit offener Stadtkarte, Rucksack und Sonnenbrille verwirrt die Strasse rauf und runter, rüber und nochmals rüber gelaufen und wurden dann von zwei Polizisten freundlich durch Handbewegung- wie wenn wir Fahrzeuge wären – zum besagten Flugbüro gelotst.

Da haben wir unseren Flug für den 30.12., Andys 30. Geburtstag, bestätigt. Alles gut! Alles gut? Ob der Flieger fliegen würde sei mehr als ungewiss, wir sollen morgen nochmals anrufen und nachfragen. Am besten würden wir zum Airport gehen und dann sehen, ob der Flug stattfindet.

Gott, du bist Gott in der Höhe! .. so die Losung. Sicher? Oje!

Wir gehen zum Fährbüro – kein Platz mehr – alles ausgebucht. Wir können das fast nicht glauben und erklären, dass wir kein Auto haben. Nada! Dies wenigstens für uns als Ausländer. Sie machen da wohl einen Unterschied zwischen einheimisch und ausländisch. Wurden wir in der Warteschlagen doch auch einfach stehen gelassen und einheimische Leute hinter uns bevorzugt. Kein Groll, keine Bitterkeit aufkommen lassen! Aber ärgern tut’s mich! Werner nimmt das gelassener.

Nun scheint es klar: Der Flieger muss fliegen ansonsten werden wir nicht rechtzeitig nach Maio kommen.

Wir treten auf die Strasse, da kommt ein Mann auf uns zu. ( Ich habe ihn vorher im Büro wahrgenommen). Er stellt sich als Peter (Piter, eigentlich Pierre) vor, gefolgt von einem dunkelhäutigen jungen Mann, Nando. Er ist der Driver. Beide sprechen sehr wenig Englisch, dafür Französisch. Peter will ebenfalls nach Maio. Auch er hat kein Fährenticket erhalten und besitzt ein Flugticket für morgen. Er kennt die örtlichen Gegebenheiten bestens, da er ein Haus auf Maio besitzt. Wir kommen ins Gespräch. Er kennt den Kapitän der Salomo und seine Frau mit Namen – wir vertrauen ihm. Peter möchte ein Boot chartern und fragt, ob wir dabei sein würden. Wir sagen zu, falls das Flugzeug wider erwarten ( wir gehen immer noch davon aus, dass der Flieger abheben – und landen – wird, denn Gott ist ja in der Höhe, oder?) nicht geht. Wir tauschen die Handynummern aus-machen einen Probeanruf- der Plan steht: wir werden uns morgen bei Peter melden, wenn wir betreffend Flug mehr wissen. Wir wollen in Kontakt bleiben. Interessant wie sich das ergeben hat. Gott, was hast du vor?

Und dann passiert’s!

Nein, nein, kein Überfall der beiden. Keine Täuschung die beiden sind i.O.

Der Überfall kommt von einer ganz anderen Seite! Meine Gedärme rumoren wie aus dem Nichts. Es tut sich was .. und wie es was tut! Ich kneife alles zusammen, was man so zusammen kneifen kann. Chancenlos! Trotz Verkneifung und zusammen ziehen à la Pilates passiert es: Es läuft wie Wasser! Noch mehr zusammen kneifen, noch mehr… es läuft noch mehr.. ich renne los in den nächsten Shop und rufe: „Toilette, Toilet- stomac problems!“ Ein Mann erfasst die Situation in Sekunden und zeigt mir schnurstracks den Weg.

Was ich dann gemacht habe, ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht. (Jeannette weiss wovon ich spreche, gell!). Einfach eines sei gesagt: es gab WC-Papier, einen grossen Hosensack an meiner Hose und ein Lavabo für die Hände.

Wie das aber geht aufwärts zu scheissen, weiss der Himmel!

Gott sei Dank hat es mir nur den Hosenbund erwischt.

Nun verabschieden wir uns von Peter und Nando und eilen ins Hotel – ich zweifach erleichtert!?

Es ist erst Mittag! Es geht weiter!

Die News eilen per Whatsap zu Andy. Er schreibt: Willkommen zum Abenteuer Salomon! Ja, das ist es wohl!

Peter, der vom Fähren- Büro, hat angerufen. Der Fischer, den er angefragt hat, kann nicht… er versucht es weiter. Alles ist ungewiss.

Ebenfalls in Praia sitzt  ein junger Mann fest, der für eine Zeit als Schnupperpraktikant auf die Salomo will.  Wir nehmen Kontakt auf und vereinbaren, dass wir einander informieren, falls wir was betreffend Flug oder Fähre wissen.

Wir gehen zum Pool- oben auf dem Dach des Hotels- klein und fein. Es hat nur noch fünf andere Leute dort. Ich geniesse die Ruhe- Werner schwimmt im eisigen Wasser Längen. Ist das schön warm hier! Wie im Sommer. Ausgenommen das Wasser im Pool.

Bumm– tststst….bumm…tststst…ddfasfsaa….hej ….. dsdsd bumm…tstst….! Schrecklich diese Musik! Und laut! Wie wenn dieses zwei jungen Männer alleine am Pool sitzen würden.

Freundlich und bestimmt gehe ich auf die jungen Leute zu, ob sie bitte die Musik leiser stellen könnten, ich möchte ihre Musik nicht hören. Kein Problem! meinen sie. Gut! Die Musik- Abstell-Mission ist erfüllt! Ich gehe zurück zum Liegestuhl. Ruhe herrscht!

Einer der Männer kommt auf uns zu und fragt, ob die Musik nun leise genug sei. Tiptop! Alles gut! Merci! Der junge Mann geht nicht. Nein, er setzt sich wie eingeladen auf die Kante von Werners Liegestuhl. Wir beginnen ein fançlishes Gespräch und erzählen ihm warum wir hier sind und die Sache mit der Unsicherheit wegen dem Flug und der Fähre.

Fast schon beiläufig meint der Mann: Gott kann euch auf Maio bringen. Das ist für ihn kein Problem! Ha? Was hat er gesagt? Werner fragt nochmals nach- wir wollen „unseren Satz“ nicht verpassen. Klar doch! Gott kann euch auf Maio bringen.

Was der junge Mann sonst noch erzählt hat, ist absolut Stuss und ohne Bedeutung. Aber diesen einen Satz, der hat uns ermutigt und war definitiv für uns. Wir sind nun gewiss: wir kommen rechtzeitig auf Maio an.

Werner macht sich auf den Weg ein gelbes Hütchen zu kaufen – seine vielen andern sind zuhause geblieben – und ihr wisst ja, das gelbe Hütchen ist ein Muss. Ohne gelbes Hütchen wäre unsere Reise halb so schön. Ich lese und schreibe.

So, und nun wird’s spannend!

Werner kommt hastig aus der Lifttüre. Peter hat ein Boot gefunden,  wir können heute fahren, sollen wir gehen? Kurzer Austausch.  Ja, wir nehmen das Angebot an – wir packen unsere Sachen in Windeseile zusammen, bezahlen die Hotelrechnung, rufen Claudio an, dass er auch mitkommen kann und geben Andy die News per Whatsap durch.

30 Minuten später sitzen wir zu fünft zusammengequetscht im Auto. Nando, der Driver von Peter, fährt. Mit von der Partie ist Michèl, ein Belgier, den kennen wir nicht,  und eben Claudio, Werner und ich.

Die Fahrt ist rasant und holprig – über Naturstrasse – wir sind gespannt!

Dann sehen wir in der Bucht das Boot – es ist ein schönes, grosses Boot mit zwei starken Motoren hinten – damit werden wir sicher nicht unter gehen.

Ein Fischerboot und zwei Einheimische sind am Ufer.

Uns alle mit unserem Gepäck, der heavy Koffer ist immer noch heavy, ins Holz- Ruder-Boot zu bringen und dabei nicht zu kippen ist schon fast eine Kunst. Die beiden einheimischen Ruderer, die uns auf einmal wie Schlepper und wir uns wie Flüchtlinge vorkommen, sehen etwas „gfürchig“ aus – verstauen unsere Koffer schnell und sicher, weisen uns unsere Plätze zu -die verstehen ihr Business bestens und bringen uns fast trocken zum Motorboot.

Dort warten bereits zwei Männer auf uns. Sie haben eine Liste mit unseren Namen drauf, darunter ist ein Stempel der Polizei.

Unsere Namen haben wir Peter vor dem Fährenbüro gegeben. So konnte er uns bei der Polizei für die Überfahrt anmelden. Aber Claudio stand natürlich nicht auf der Liste und wurde darum nicht mitgenommen. Er wurde von den beiden fast unheimlichen Einheimischen zurückgerudert. Sorry Claudio!

Das Motorboot fliegt über die Wellen. Einer der beiden Männer sieht wie ein senegalesischer Pirat aus. Mit Ohrring und Kopftuch, schwarzen Augen, schwarzer Haut. Der andere eher wie ein italienischer Mafia-Boss mit eigenem Firmen – T-Shirt und dunkler Sonnenbrille.

Um uns nichts wie Meer. Das weite Meer. Die Sonne ist am Untergehen- es wird kühler. Wir ziehen die Jacken an. Die beiden Männer sind freundlich, sprechen Französisch. Wir erzählen, dass wir auf die Salomo wollen. Ja, die Salomo kennt hier jeder!

Dann schiesst es mir durch den Kopf: Wenn die uns über Bord schmeissen und unser Gepäck klauen? Nein, das tun die doch nicht, oder? Gibt es da Treibholz, wo wir uns festhalten könnten? Ich schaue vorsichtig, fast zufällig, über den Bootsrand… nein, nichts! Was macht Werner? Er scheint die Fahrt zu geniessen, steht neben dem Mafia-Boss und unterhält sich über die Geschwindigkeit und die Distanz. Ob auch er abcheckt wie weit es noch ist, falls wir schwimmen müssen? Schluss jetzt! Ich schaue definitiv zu viele Krimis und habe eine zu blühende Phantasie.

Nach gut 50 Minuten Speedfahrt zeigt der Pirat in eine Richtung auf dem Meer und meint: Salomo. Ich sehe nichts. Kurze Zeit später sehen wir die Insel und die drei Masten der Salomo. Herrlich! Maio wir kommen!

Über ein Art Palette, das uns als Aussteigeplatform dient, steigen wir über die Eisenleiter hinauf an Land. Unsere Koffer werden mit einem Seil festgebunden und ebenfalls an Land gezogen. Nun sind wir da! Wirklich da auf Maio. Und sogar einen Tag früher wie geplant. Wir sind ja gespannt!

Nach einer kurzen Fahrt über Pflastersteine sind wir im Tropikal, einer kleinen Pension, die von Caroline, der Frau des Kapitäns der Salomo geführt wird. Wir treffen Joni, den Leiter der Salomo, der gerade mit einem Jugendlichen in der Tropikal Bar ( Bude am Strand – ebenfalls von Caroline geführt ) sitzt und ein Bier geniesst.

Wir sind wie 100 Jahre zurückversetzt. Kaum Autos, Hühner auf der Strasse, eine „Hauptstrasse“ mit Pflastersteinen, sonst Gässchen, die bedeutend schlechter wie Wanderwege bei uns aussehen. Es ist ruhig, kein Verkehr, kein Lärm. Ich geniesse den Moment.

Freudige Begrüssung mit Joni – Pizza essen – Zimmer beziehen…. und dann nichts wie schlafen. Es war Morgen und Abend… ein neuer Tag kommt – Andy’s Geburtstag.

 

Tag 3 und Tag 4

30. und 31.12.2016

9.30 Uhr – wir sitzen vor dem Tropikal auf dem Mäuerchen vor dem Eingang, halb auf der Strasse und warten auf Andy. Er soll uns abholen.

Und da kommt er zu Fuss um die Ecke! Hej, ist das eine Begrüssung! Wir umarmen uns! Und wir sind alle gerührt. Umarmen uns wieder. Alle drei können es kaum fassen – aber es ist wahr!

Andy fährt, rasant und gekonnt um die Löcher in der Strasse herum,  mit uns zur Farm raus. Die Farm gehört Martin, dem Kapitän der Salomon. Da das Schiff im Moment überholt werden muss, sind alle auf der Farm untergebracht.

Heute soll der grosse Umzug von der Farm in ein anderes Haus in Villa ( so heisst der Ort hier) geschehen. Wir werden gebraucht! Am Abend wissen wir und das Team: Ohne unsere tatkräftige Unterstützung hätte der Umzug nicht gemacht werden können. Wir sind genau richtig angekommen! Genau richtig!

Aber der Reihe nach.

Auf der Fahrt raus zur Farm zeigt Andy Werner einzelne strategische Merkhilfen, damit Werner nachher, wenn er mit dem Pick up hin und her fährt, den Weg wieder findet. Wir sind im Busch, in der Steppe. Wie in einem Afrikafilm – einfach ohne Löwen. Da ein weisser Stein, dann gleich rechts weg – über das erste vertrocknete Bachbett rüber – an der Hütte vorbei…. mitten durchs Niemandsland. Es tauchen vereinzelte Ziegen auf, da rennen Ferkel wie vom „Affen gebissen“ vor unserem Auto her, dort stehen zwei Esel…. und dann taucht die Farm auf. Farm? Eher eine mexikanische Hazienda wie aus einem Winnetoufilm. Überall steht was rum: eine Schubkarre, eine Schleifstation, ein Bagger, dort eine alte Tonne, da was…. und Staub, Staub, Staub! Martin, der Kapitän, ist ein Bastler und Lebenskünstler und Schweizer – es gibt sie also doch, diese Kombination.

Ganz schnell finden wir den Kontakt zu den Jungs. Von den meisten werden wir per Hände schütteln begrüsst. Sie sagen uns ihren Namen und wir sind vom Moment an als Teil dabei. Das ist echt wunderbar! Ich verstehe, warum Andy ein Herz für diese Jungs hat. Es sind Kinder. Jugendliche zwar vom Alter – aber Kinder. Kinder mit mehr oder weniger schrecklichen Lebensgeschichten, mit prägenden Erlebnissen, die sie zornig, unsicher, verzagt, hoffnungslos gemacht haben.

Ich empfinde es als Privileg, hier zu sein. Diese Jungs, das Team und Andys Arbeit etwas kennen lernen zu können.

Es gibt Jungs, die haben kein Geschenk zu Weihnachten von zuhause erhalten. Das müsst ihr euch mal vorstellen. Ich denke immer, wenn die Eltern nicht fähig sind, ist dies eine Sache. Aber da gibt es doch noch Grosseltern, Tanten, Onkel, Geschwister, Götti oder ein Gotti… kein Geschenk von niemandem. Nicht mal ein Anruf. Wohl klar, dass da die Emotionen hoch kommen – und bei den Jungs dann oft in der Form, dass sie wütend werden, Streit suchen,frech sind oder einfach einen Unsinn machen.

Nach dem Brunch wird gepackt. Werner wird die nächsten sieben Stunden nonstop mit dem Pick up über die Holperstrasse hin und her fahren. Ich räume mit zwei Jungs die Umgebung auf, packe zusammen, helfe da und dort…. die Stunden eilen vorbei. Zwischendurch gibt es immer wieder Zwischenfälle mit den Jungs – Streit da, ein Gespräch wird gewünscht, „Scheisse gebaut“ dort. Never ending ist das Team dran. Konkret ist nur Andy und Sandra vom Team auf der Farm – und eben Werner und ich.

Ein Jugendlicher musste ins „Spital“ für Abklärungen gebracht werden. Er hat eine sehr ernst zu nehmende allergische Reaktion ( eigentlich wissen die im Spital es nicht genau) gemacht. Ein Mitarbeiter macht einer Blutvergiftung rum. Es gibt hier Pflanzen mit enormen Stacheln, die sogar einen Autopneu platt machen können, und durch eine offene Wunde ist trotz Desinfektion und pflegen und hegen, wohl durch den vielen Staub, Dreck in die Wunde gekommen. Auch er muss in den Spital und die Wunde zu zeigen und Antibiotika abzuholen.

Veränderungen sind für die Jungs schwierig. Alles, was nicht strukturiert ist, verunsichert. Und mach mal einen strukturierten Umzug mit 13 Jungs und zwei Mitarbeitern und uns beiden. Wir arbeiten den ganzen Tag Hand und Hand.

Es geht weiter … wir gehen Frühstücken… bis bald!

Am Abend fahren wir im Scheinwerferlicht durch die Steppe und über die Buschstrasse zurück – wieder durch das Bachbett – weiter an der Hütte vorbei – beim weissen Stein nun links – über die schöne Pflastersteinstrasse zurück nach Villa. Alles ist gezügelt – auch Gundi.

Die Jungs haben sich tapfer gehalten – so gut sie konnten mitgearbeitet.

Apropos Mitarbeit: Wisst ihr wie viele der 12 Jugendliche arbeiten? Jeder hat sein Ämtchen und weiss, was er zu tun hat – theoretisch – z.B. abwaschen – das war auch eine der Arbeiten von mir mit ihnen: Da werden die ersten Teller sorgfältig abgewaschen – ein anderer trocknet – kein Nachschub mehr von dreckigen Tellern – der Abwascher läuft davon – der mit dem Tüchli hat sich im Handumdrehen in Luft aufgelöst – und ich stehe alleine mit schmutzigen Töpfen und Tellern da…. nochmals „meine“ Jungs suchen – wieder abwaschen – trocknen- nun bin ich schlauer- ich gucke immer für Nachschub – der Trockner braucht ein neues Tüchlein – gut – wo bleibt er nun aber wieder? – Das nasse Tüchlein liegt in einer Ecke – das trockene in der andern – „mein“ Junge weg…. wieder suchen… währenddessen hatte der Abwascher eine Idee und beginnt mit einem andern ein kleine Rammelei… wieder von vorne….

Was ich aber unbedingt erwähnen muss: ein Jugendlicher hat mit mir bis zum Schluss die Vorräte aufgeräumt und unermüdlich die eingebrannte grosse Pfanne geputzt. Ohne ihn hätte ich die Arbeit nicht geschafft. Er war so stolz auf sich, ein cooles Erlebnis für uns beide!

Die meisten Jungs können aber eine Arbeit nicht alleine durchstehen und fertig machen – unsere 4jährigen Enkel und unsere 2jährige Enkelin sind in manchen Dingen ausdauernder. Wie wichtig ist das Arbeitstraining! Dass die Jungs lernen, Arbeiten anzufangen und fertig zu machen …dazu brauchen sie Unterstützung, damit sie durchhalten lernen und erfahren, dass sie eine Arbeit auch können. Kleine Erfolgsschritte – aber nachhaltig fürs Leben!

Wir sind zurück in Villa. Zu Andys Geburtstag und zum Einzug ins neue Haus gehen wir alle in die Tropikal-Bar essen. Joni hat für alle bestellt und das Essen ist ausnahmsweise sogar pünktlich fertig.

Das Nani und der Neni von Andy haben uns einen grosszügigen Betrag mit auf die Reise gegeben – mit einem Teil des Geldes konnten wir alle zu diesem feinen Essen eingeladen. Es gibt  Pizza Calzone, Reis und Fisch, Spagetti, Pommes….es wird geteilt. Keiner – aber nicht einer!- macht sich über das Essen her – das Team achtet sorgfältig darauf, dass die Jungs lernen zu fragen. So auch jetzt. Und es klappt heute bestens.

Es ist ein richtig gemütlicher Abend – der Stress der letzten Tage ist fast vergessen – die Stimmung ist super!

Zu einem Fest gehört auch Musik – laute Musik – die Jungs sind in Stimmung – ein Jugendlicher beginnt zu tanzen – und wie! Sein Hüftschwung ist filmreif – wir lachen uns fast kaputt! Es ist einfach nur herrlich!

Andy geniesst seinen Geburtstag in vollen Zügen. Werner und ich haben natürlich völlig baumgartnerisch noch ein paar Girlanden und ein „Happy Birthday“ aufgehängt. Die Jungs freuen sich so richtig mit Andy über seine Geschenke, lesen die Karte, die unsere andern Söhne an Weihnachten noch für Andy gebastelt und grüsse geschrieben haben. Die WC-Rolle mit „Happy Birthday“ ist der Hit! Die Jungs nehmen so richtig Anteil – kommen immer wieder einzeln und gratulieren Andy, geben ihm einen freundschaftlichen hug.

Wir sitzen da und sind voll und ganz mit Schauen beschäftigt.

Viele der Jungs sind zu uns gekommen, haben sich fürs feine Essen und die Einladung bedankt. Berührend!

Auf der einen Seite sehr freundlich – auch zuvorkommend – (Andy sagt, wir hätten Newcomerbonus, der eine Woche anhält) – auf der andern Seite dürfen wir den Jungs nicht trauen. Alle unsere elektronischen Geräte, das Geld, die Pässe sind immer gut im Rucksack verstaut und dieser im abgeschlossen  8er (das Büro des Teams) eingeschlossen. Die Jungs sind so berechnend – sie haben Tricks auf Lager – sind Meister im Lügen und andere an der Nase rum führen. Was einzelne so auf Lager haben, werden wir am Silvesterabend erleben – davon später.

Andy, Werner und ich finden Zeit etwas miteinander über den Tag und die Arbeit zu sprechen. Es ist unglaublich, was das Team leistet – wir wussten immer, dass die Arbeit anspruchsvoll ist – nun aber, wo wir selbst mitten drin sind, beginnen wir das Ausmass der Belastung zu erfassen. Für ihre Arbeit müssten alle weit mehr entlöhnt werden – und trotzdem: sie sind dabei, überzeugt von der Nachhaltigkeit ihrer Arbeit, mit einem überdurchschnittlichen Engagement, Idealismus und Herzblut für die Jungs und ihre Situationen. Hut ab! Hut ab auch vor Sandra, der einzigen Frau in diesem Männerteam – sie ist genial!

Ich trinke meinen ersten Caipirinha – nicht so mein Geschmack – aber nun weiss ich wenigstens, wie das schmeckt.

Wir fallen müde – aber so erfüllt – ins Bett! Morgen wartet ein neuer Tag auf uns.

Heute ist Silvester – wir gehen am Morgen einkaufen. Einkaufen heisst mal Geld zu haben – und genügend Escudos zu haben ist gar nicht so einfach! Joni war auf der Bank und wollte Euros wechseln… er wartete etwa 1 Stunde, dann hatte die Bank nur gerade Wechselgeld für etwa 250 Euro… nächste Bank… wieder warten… da ist Geduld und Ausdauer gefragt!

Also: wir fahren mit Claudio los zum Pick pay, einem Tante Emma -Lädeli und dann zum Mercado, dem Gemüseladen. Was wir aber sicher kaufen sollen ist Fleisch. Ich bin skeptisch! Ich denke an den Markt in Praia und ans offen angeboten Fleisch dort – Maden inklusive? Wir finden gefrorene Trutenschenkel – wohl alles voll mit Antibiotika, nichts mit Biofleisch! Wir müssen die Schlegel und die Hühner aus der Gefriertruhe ziehen – das Fleisch liegt wohlverstanden offen in der Truhe… ich schlucke … was sein muss, muss sein! Wir kaufen ein.

Hier noch ein Foto von mir beim Schnippeln vom Gemüse fürs Silvesteressen im neuen Haus in Villa und Fotos vom Haus mit dem Wäscheberg und Claudio, der nun der Koch ist.

Von der Farm ist alles soooo staubig, dass alles, wirklich alles ausgeschüttelt und gewaschen werden muss. Mit einer kleinen Waschmaschine – das ist nochmals ein Projekt für sich!

Wieder alles auf den Pick up laden, inklusive die Stühle, Getränke und Essen für etwa 20 Personen für den Abend… und wieder los in die Pampa. Dieses Mal haben wir noch den Hund hinten auf der Ladefläche und einen grossen Papayabaum. Ein paar Jungs sitzen ebenfalls hinten auf der Ladefläche – Claudio mit dabei, damit nicht etwa etwas beiläufig verschwindet.

Andy ist der Grillchef- er macht in einem Ofen Feuer und mariniert die „Hühnchen“ – die Jungs zersägen Holz für ein Feuer, die andern machen Nudelsalat und Salat für den Znacht.

Die Hühner schmoren und braten im Ofen – es riecht so lecker nach gegrilltem Fleisch – echt schade, dass ich dieses gefrorene Fleisch gesehen habe… . jetzt aber… puh.. ich weiss nicht…

 

immer wieder gehen die Jungs zum Ofen und gucken rein – sie freuen sich riesig aufs Essen. Das Lagerfeuer brennt. Alles ist bereit und wir warten wir auf die andern…. Die kommen verspätet, da sie noch auf einen Schlüssel warten mussten.

Und dann geht’s los. Das Fleisch wird zerschnitten und gegessen – ein Festmahl – einfach ohne Fleisch für mich – ich hab’s nicht geschafft- und wurde kurzfristig zur Vegetarierin.

Für alle haben wir etwas Sekt dabei zum Anstossen, auch Wein fürs Team und ein paar Bierli  sind dabei. Andy hat vorgesorgt und die Bierli im verschliessbaren Kühlschrank eingesperrt. Wo ist der Wein? Der Wein? Der war doch mit dabei – oder? Wer hat ihn wohin gestellt? Alle gucken einander fragend an – am meisten gucken die Jungs!?

Was sehe ich da? Ein paar Jungs stehen vor dem Kühlschrank und knacken mir nichts, dir nichts das Kühlschrankschloss. Was die alles können – da kann ich echt noch viel lernen! Kurzerhand wird alles wieder zugesperrt und die Weinsuche geht los. Sandra wird kurze Zeit später fündig: Auf dem Dach sitzen zwei Jungs mit Fantaflaschen (?!?!) – voll mit Wein. Den Wein haben sie beiläufig mitgehen lassen und ihn in die PET-Flaschen zur Tarnung umgefüllt. So schlau und gerissen! Zu ihrem Pech kamen sie nicht mehr in den vollen Genuss – wir waren schneller, gut so!

Knallraketen – Lagerfeuer – reden und zusammen sitzen – laute Musik – einer voll in Aggression – Krise mit Heimweh –  …. alles was so dazu gehört mit den Jungs … wir stossen an und wünschen uns ein frohes neues 2017. Möge euer Leben sich zum Guten wenden und ihr erfahren, dass ihr geliebt seid und es nichts gibt, was Gott nicht vergeben oder gerade rücken könnte. Das sind unsere Gedanken und unser stilles Gebet für die Jungs.

 

Tag 5

1.1.2017

Heute machen wir es uns etwas gemütlich. Nach der langen Nacht gestern gibt es erst gegen 12 Uhr Brunch mit den Jungs.

Wir sind – wie gewohnt – früh wach – machen uns dann aber doch erst so gegen 10.30 Uhr auf den Weg ein Restaurant für einen Kaffee und Tee zu suchen.

Wir gehen die Mainroad (hihihi – ist eine Pflastersteinstrasse) runter. Plötzlich ertönt aus einem Haus auf der andern Strassenseite Musik – da wird gesungen – da findet wohl ein Gottesdienst statt. Wir sind neugierig und gehen näher. Eine Frau bemerkt uns und kommt vor die Türe. Wir fragen sie, ob ein Gottesdienst stattfindet – wau! sie versteht Englisch! – Sie bejaht – wir sind willkommen und gehen rein.

Es ist ein Mann und eben seine Frau und etwa ein 4 jähriger Junge da – dieser hat eine gründe Sonnenbrille auf der Nase – voll stylish! – Die drei sind eine Hauskirche und haben eben Gott angebetet und wollen nun per DVD eine Predigt hören.

Wir erklären ihnen, dass wir auch zu einer Hauskirche gehören und Jesus lieben. Wir freuen über unser Zusammentreffen.

Mit Bibeln ausgerüstet sitzen sie – wir mit dem Handy, da haben wir die Bibel drauf – vor dem DVD-Gerät. Sie sind voll dabei. Leider verstehen wir von der DVD zu wenig und verabschieden uns darum nach einer Zeit. Schade, dass wir nicht länger mit ihnen austauschen konnten. Aber trotzdem schön, dass wir sie getroffen haben.

Ich bestelle einen Kaffee mit Milch – die Dame fragt dann: Cappuccino? Wau! Die kennen das- klar doch! Cappuccino. Der Tag ist gerettet!

In Villa hat es viele Häuser, die nicht fertig gebaut sind – seit Jahren stehen sie unfertig da – ein schreckliches Bild für diese Insel! Ich hörte, dass ein Mafia-Boss eine riesige Hotelanlage bauen wollte und dann von der Polizei aufgegriffen wurde und darum die Bauten so dastehen…. mögt ihr euch an den zweiten Tag erinnern – an die Überfahrt nach Maio? Da sah doch der eine auf dem Boot wie ein Mafia-Boss aus… das Restaurant/Hotel, in dem wir gerade sitzen, gehört ihm, seinem Bruder und dem Vater… sie sind Italiener…. eben doch! ich hab’s doch gewusst! …???

Frühstück bei den Jungs und der Salomo-Crew. Werner und ich erstellen noch den Ämtli-Plan für die Woche – das ist echt eine schwierige Sache: alle sollten etwa gleich viel arbeiten müssen, die Arbeitsteams immer wieder wechseln, die zu machenden Arbeiten benötigen unterschiedlich viele Leute und die Arbeiten sollen sich für den einzelnen täglich ändern. Ich sitze da und versuche mich in der Planung – Werner kommt mir zu Hilfe – die Jungs stehen ebenfalls um uns rum und geben ihren Kommentar ab – es geht ja um ihr Arbeiten! – Am Schluss steht der Plan – ob er sich bewährt? We will see!

Den Rest des Nachmittags geniessen Werner und ich mit Ausruhen, am Beach, bei einem wunderbaren Fisch…. und waschen. Schaut mal genau, was Werner mit meinem BH gemacht hat…da hängt er zum Trocknen…..selbstverständlich rufen wir per Whatsap Werner Woiwode an und gratulieren zum 65. Geburtstag.

 

Tag 6

2.1. 2017

Heute wird nochmals ein strenger Tag. Wir gehen mit auf die Farm zum Arbeiten. Andy muss nochmals einen Schnupperi irgendwo abholen – dies hat er uns heute Morgen um 01.15 Uhr geschrieben – er kommt immer erst sehr spät ins Bett, da die Jungs ja nicht um 10 Uhr im Bett sind…. und am Morgen muss er doch wieder recht früh raus.

Es ist wie ein ständiges Lagerleben – wie damals, als wir die Kinderlage in Orselina geleitet haben – hier einfach über Monate und mit immer wieder neuen Jungs und Teamleuten…

Ich möchte heute noch ein paar Fotos von der Farm machen – das haben wir im vielen Geschehen völlig vergessen.

Auch müssen wir uns heute noch um die Rückfahrt kümmern und das Hotel wechseln – Caroline ist ausgebucht.

Ich melde mich wieder!

Hier bin ich wieder! Wir sitzen mit Andy, Sandy und einem Jugendlichen in einem Beach-Restaurant. Werner isst Pommes, wir trinken ein Bier…. ich auch! Es ist fast 21.00 Uhr.

Heute waren Werner und ich nochmals mit Andy und Jungs auf der Farm. Ich habe die Küche fertig ausgeräumt, die andern haben einen Dirk bekleidet (ein Drahtseil wird mit Schiemannsgarn umwickelt, damit die Segel nicht aufscheuern). Wieder Staub, Dreck… und Zeit für Fotos. Die Jungs arbeiten gut – und wir fahren um 16.45 Uhr zurück zur Casa Salomon (Andy sagt dem neuen Haus so).

Heute Morgen wollten wir die Tickets für die Fähre am Mittwoch kaufen. Die Pflasterstrasse rauf – an der Kirche vorbei – beim Kreisel rum – beim „Tschino“ (Chinese) vorbei und dann gefühlte drei Strassen weiter und rechts halten. Da war’s: das Office der Fähre. Durch ein Fenster – es hätte aber auch eine Türe! – werden die Tickets verkauft. Wieder werden wir übergangen…. ich ärgere mich immer noch…

Hier auf der Insel sprechen die Menschen Portugiesisch – kaum Französisch- fast kein Englischs – ab und zu Italienisch… (wegen dem Mafia-Boss… ihr wisst ja!). Wir bekommen keine Tickets – erst morgen werden diese für den Mittwochabend verkauft. OK –  dann kommen wir halt morgen wieder.

Heute Nachmittag musste nochmals ein Jugendlicher ins Spital. Er ist Diabetiker und seine Werte waren viel, viel zu hoch. Zusätzlich hat er noch undefinierbare „Chnöle“ hinter den Ohren und an der Stirn. Er fühlte sich am Nachmittag sehr schlecht, sein Nacken tat ihm weh und er konnte seinen Kopf kaum bewegen, auch hatte er Kopf- und Ohrenschmerzen. Ich dachte schon an eine Hirnhautentzündung. Just in diesem Moment erhielt ich von meiner Schwägerin Rita, Werners Schwester, ein Whatsap. Rita ist Krankenschwester und fit in medizinischen Fragen. Sie wurde kurzerhand als Second opinion angefragt. Merci, Rita für deinen Support! Der Junge wurde im Spital versorgt und ist in der Zwischenzeit wieder in der Casa Salomon.

Kein Tag wie der andere… immer neue Herausforderungen….

Mit  unserem neuen Hotel ist es so eine Sache: Portuges… Portuges… das ist die Sprache der Frau an der Rezeption. Wir sprechen mit Händen und Füssen und einem Übersetzungsapp. Das geht so: ich schreibe in Englisch, was ich fragen möchte – das App übersetzt in Portugiesisch. Da die Frau vom Hotel wohl nicht lesen kann, kann sie auf Lautsprecher drücken und der Text wird ihr auf Portugiesisch vorgelesen. So geht’s mit der Kommunikation – einigermassen.

Unser Zimmer haben wir über Hotel.com gebucht…mit Poolsicht und zwei Einzelbetten – diese brauchen Werner und ich, da wir uns sonst in der Nacht in die Quere kommen – nun haben wir ein grosses Einzelbett und keine Poolsicht. Den Pool gibt es gar nicht – dafür sehen wir aufs Meer, wenn wir durch Fenster gucken.

Da wir im Hotel kein Internet haben, wird nun das Schreiben etwas schwieriger. Ich bleibe noch dran. Morgen hat Andy frei und wir verbringen den Tag zusammen – er will erst mal richtig ausschlafen. Wir wollen noch die Tickets für die Fähre buchen- plus zwei Tickets für einen Jugendlichen, der nach Praia in den Spital muss ( ein anderer wie der mit den „Chnöllen“) und einen Mitarbeiter.

Noch ein paar Impressionen von der Fahrt zur Farm und von der Farm, weitere Fotos folgen – das WiFi hat gerade etwas lang.

 

 

Tag 7

3.1. 2017

Heute standen wir um 8.50 Uhr bereit beim Fähren-Fenster-Schalter. Zu! Dafür waren ein paar Männer und eine Frau da. Sie haben uns zu sich gewinkt und gefragt, ob wir „maniana“ „barca“ wollen. „Si, maniana,  barca, Praia, 4 Finger in die Luft, persona“. Aha! Wir bekommen 2 Zettel – siehe Foto – wir nochmals “ 4 Finger in die Höhe, quattro, persone“ …Einer nickt und zeigt auf einen Zettel – streckt 2 Finger in die Luft – zeigt auf den andern Zettel und streckt wieder 2 Finger in die Luft. Sagt sowas wie, dass das so OK ist – wir glauben ihm und gehen einen Espresso trinken – ich wenigstens, Werner bekommt endlich seinen Schwarztee – bis jetzt hat immer einen undefinierbaren Kräuter- Grün-Schwarz-Tee bekommen.

Um 11 Uhr müssen wir dann nochmals zum Officio – dann sollten wir dann die wirklichen Tickets erhalten. Das klappt sicher!

Achja, die Pässe der andern beiden haben wir auch noch in der Casa Salomon abgeholt. Die brauchen wir für die Tickets- das hat uns der eine Mann auch noch gesagt – super, diese Info – sonst wären wir sicherlich ein 4.Mal hingegangen.

Ja, das Leben hier braucht Zeit – einfache Dinge brauchen viel Zeit. Wie in Indien denken wir.

Die Strassen in Maio sind zwar voller Bollersteine und Löcher – da geht’s steil hoch und runter – man könnte meinen, es gäbe keine Verkehrsregeln. Völlig falsch! Andy fuhr gestern rasant – so fährt er immer! – die steile Strasse hoch – da kommt ein Auto von links – ich denke: jetzt täscht’s! Aber nein, der andere bremst abrupt – wir kommen ja von rechts! Kaum zu glauben! Auch werden schön Blinker gesetzt und die Kreisel ( eine Steinmauer mit einem Baum drin) richtig umfahren.

Die Strassen sind recht sauber – es liegt wenig Abfall rum – mancher Pausenplatz sieht nach der Pause schlimmer aus! – wir staunen. Heute haben zwei Frauen an einer Strasse gejätet – einer sein Auto auf Hochglanz poliert.

Jetzt gehen wir die Tickets holen…. ich bin ja gespannt!

Gute zwei Stunden sind wir für die Tickets angestanden – eine langwierige mühsame Geschichte – schlussendlich haben wir sie bekommen – ich völlig genervt über die Warterei und Moglerei der Einheimischen. So mühsam!!!

Heute waren wir auf der Salomon!!

Das Dingi hat uns abgeholt – tönt einfach – das Einsteigen über die Klippen mit den Wellen, hoch klettern an der Leiter zum Schiff, das wieder runter klettern ins wacklige Dingi – und wieder hoch klettern an Land forderte meine athletischen Fähigkeiten voll heraus: Bein hoch über die Reling wie eine Bodenturnerin nur weniger elegant. Aber es ging!

Das Deck und Teile des Schiffs werden ja frisch gestrichen – schön sieht die Salomon aus in ihrem neuen Anstrich! Die Männer sind täglich am Arbeiten, damit alles bis zum Auslaufen fertig ist.

Andy hat uns das Schiff gezeigt: das Ober- und Unterdeck, die Kombüse, die Kojen… So gross das Segelschiff mit seinen drei Masten auch ist, eng ist es – und wie eng, wenn gegen 20 Leute auf dem Schiff leben. Eine Privatsphäre gibt es nicht – zusammen leben auf engstem Raum – sich und andere aushalten – eine Lebensschule für die Jugendlichen und die Crew. Ich könnte dies echt nicht! Wirklich nicht! Wenn da noch jemand meint, das Time-out wäre eine Kreuzfahrt – der war sicherlich noch nie an Deck des Schiffes und hat die Jungs noch nie erlebt. Wer mehr über die Salomon wissen möchte: www.jugendschiffe.com

Gundi im Lokalradio!

Wie ein Lauffeuer ging’s um die Insel: Der Papagei ist auf Kurve!

Richtig gehört! Gundi ist heute Nachmittag mir nichts dir nichts ausgerissen. Wie immer durfte der kleine Kerl seine Runden im „Hof“ drehen – da hat er sich auf einmal erschreckt und ist über den Zaun auf vorerst Nimmerwiedersehen weggeflogen. Joni und die Jungs sind gleich los, ihn zu suchen – nichts! Kein Gundi weit und breit. Joni hat sich vor seinen inneren Augen schon alle Schreckensszenarien ausgemalt: der Gundi tot in der Steppe im Staub, verdurstet und verhungert – nicht gefunden… wirklich schlimm! Joni hat den kleinen Vogel aufgezogen und liebt den kleinen Kerl dementsprechend. Gundi ist auch recht gescheit – er kann kreischen, schwatzen und die ersten Töne der CH-Nationalhymne singen. Gundi gehört einfach zur Salomon – ohne Gundi würde echt was fehlen. Und nun war er weg!

Jemand von der Salomon ging zum Spital hoch – dort wurde eine Anzeige gemacht, dass Gundi verschwunden sei. Sein Verschwinden hat sich danach wie ein Lauffeuer auf der Insel verbreitet. Andy, Werner und ich waren am Strand: auch da haben wir gehört: Wisst ihr’s schon? Gundi ist weg! Er ist noch nicht gefunden!

Sogar im Lokalradio wurde eine Durchsage gemacht – da kam ein Einheimischer zur Casa Salomon und berichtete, dass er Gundi gesichtet habe. Ein paar sind schnell los – da sass er wirklich auf dem Spitaldach. Claudio rief immer wieder seinen Namen – doch Gundi drehte nur den Kopf hin und her und hat „Joni, Joni!“ gerufen. Der Vogel weiss eben genau zu wem er gehört!

Ein Jugendlicher ist dann aufs Dach geklettert und Gundi hat sich bewegen lassen, mit ihm runter zu gehen. Nun sitzt der Vogel wieder in seinem Käfig – und geht bereits einigen mit seinem Gekreische wieder auf die Nerven.

 

Heute Abend waren wir mit Andy nochmals zum Abschluss in der Tropikal-Bar. Wunderbar das Wetter, das Rauschen des Meeres, das Essen, der Wein… alles etwas viel… und Werner’s Pizza wollte nicht in seinem Magen bleiben … er liegt nun im Badezimmer und hofft auf bessere Zeiten.

 

Tag 8

4.1. 2017

Heute verabschieden wir uns von Andy, den Jungs, der Crew und Gundi und nehmen die Fähre nach Praia. Noch zwei Nächte in Praia – und dann mit dem Nachtflug nach Lissabon und von dort direkt zurück in die Schweiz.

Wir hatten eine reich erfüllte Zeit – viele Eindrücke – viele Erlebnisse – sehr dankbar über alles Erlebte kehren wir heim.

Die Losung von heute lautet frei übersetzt nach mir – genau steht’s im Philipper 4.6 – und das haben wir erlebt: Wir müssen uns keine Sorgen machen, vielmehr können wir Gott unsere Anliegen sagen und ihm danken, denn er sorgt für seine Kinder.

Ciao – au revoir – bye-bye – hasta la vista in der Schweiz!

Schön, seid ihr dabei gewesen – merci für alle Rückmeldungen, die ich auf meine Schreiberei erhalten habe… es hat mich sehr ermutigt!

Herzlich, eure Brigitte & Werner ( der sich wieder des Lebens freut)

 

 

 

 

5 Replies

  1. C. Jegen

    Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Abenteuerlich, spannend. Hoffentlich mit gutem Ausgang

  2. Regula Woiwode

    So cool! Guete Schribstil 😁
    Freu mi scho bis Ihr s nöchst mol verreised…..
    Welcome home!

  3. Michèle Leu

    Sehr spannend, intressant und lustig geschrieben 😉.
    Schön seid ihr wider zuhause.
    Grüsse Michèle 😉

  4. Ziörjen

    wow so eine gute story….das mit dem Arbeitstraining kam mir mega bekannt vor:) schö sind ihr wieder zruegg;) bis gli Jeannette

  5. Sonja Nef Oechslin

    Has duregläse i eim Schnurz. So spannend und interessant gschilderet. Richtig guet! Danke villmol. Has sehr gnosse und Freud gha. Schön, dass ihr wider gsund heicho sind.

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